Geschichte der Osteopathie

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Osteopathie – wie alles begann

Die Grenzen der zeitgenössischen Medizin

Andrew Taylor StillDie ersten Schritte der Osteopathie ergaben sich aus der Suche eines Jungen nach Linderung für sein eigenes Leiden. Intuitiv entwickelte Andrew Taylor Still in jüngsten Jahren eine Selbsthilfetechnik, die ihn von seinen unerträglichen Kopfschmerzen befreite. Als Sohn eines Arztes studierte der 1828 in den USA geborene Andrew Taylor Still selbst Medizin, erlangte seinen Doktortitel und war fortan als Arzt tätig, während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865) hauptsächlich als Chirurg. Die Medizin seiner Zeit betrachtete Dr. Still mit kritischem Blick. Themen, wie sie heutzutage wieder diskutiert werden, etwa unnötigerweise durchgeführte Operationen oder die unzureichende Hilfe, die Medikamente boten, beschäftigten ihn schon zu seiner Zeit so sehr, dass er eine Medizin verfolgen wollte, die die Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus anspricht.

Lebenserfahrung als Wegbereiter für eine neue Medizin

Geschichte der steopathieDurch intensives Studium der Anatomie des menschlichen Körpers, durch Beobachtung der Folgen, die durch Erkrankungen entstehen, entwickelte er mit der Feinfühligkeit seiner Hände einen Weg, eine Methode, um bei seinen Patienten Selbstheilung in Gang zu setzen. Dabei nahm er den Körper stets als Einheit wahr, sah den Mensch als Ganzes und ging davon aus, dass jeder Körper Selbstheilungskräfte besitzt, die es wieder in Fluss zu setzen galt. Seine Selbsthilfetechniken, die er als Kind entwickelte, die Erfahrung der Grenzen der herkömmlichen Medizin bei Patienten sowie innerhalb der eigenen Familie, seine Suche nach Antworten und Wegen der Linderung und Heilung für scheinbar unlösbare Probleme und Beschwerden – , all diese Erfahrungen, Schicksalsschläge und Hürden führten Dr. Andrew Taylor Still in die Entwicklung der Osteopathie, die ihren eigentlichen Startpunkt 1874 verzeichnete.

Die Schule für Osteopathie

Die neue, sehr erfolgreiche Behandlungsmethode gewann an Bekanntheitsgrad, und so gründete Dr. Still im Jahr 1892 die erste Schule für Osteopathie im U.S. Bundesstaat Missouri. Die Ausbildung erfreute sich zunehmenden Interesses, so dass sich die neue Therapie mehr und mehr im Land verbreitete. Dr. Stills Schüler sorgten auch nach seinem Tod im Jahr 1917 für die Eröffnung weiterer Schulen für Osteopathie.

Doch wie es die Natur des Menschen mit sich bringt, wird nicht alles, das neu ist, mit offenen Armen empfangen. Die Osteopathie wurde von den herkömmlichen Schulmedizinern sehr kritisch betrachtet. Erst in den frühen siebziger Jahren galt die Methode als vollständig anerkannt.

Weitere Entdeckungen, weitere Entwicklungen

John Martin Littlejohn, geboren 1865, einst Schüler Dr. Stills, gilt als Begründer der Osteopathie in Europa. Im Jahr 1917 eröffnete er in England die erste Schule. Die parietale Osteopathie von Dr. Still, mit der letztendlich alles begonnen hatte, stellte nun den Ausgangspunkt für die Entwicklung weiterer Systeme innerhalb der Osteopathie dar. Die Kraniosakraltherapie als eines dieser Systeme wurde von Dr. William Garner Sutherland, geboren 1873, entwickelt, der ebenfalls einst Schüler Dr. Stills gewesen war. Diese Methode erwies sich als so erfolgreich, dass sie inzwischen zunehmend als eigenständige Technik unterrichtet und angewandt wird. Durch Beobachtung, Einfühlungsvermögen und Feinfühligkeit entwickelten sich auch innerhalb dieses kraniosakralen Systems viele weitere Techniken. Dr. John Upledger, ein amerikanischer Arzt, entwickelte aus der Technik Sutherlands schließlich die Kraniosakraltherapie, wie sie uns heute bekannt ist, und in die auch Geist und Seele des Menschen mit einbezogen werden.

Osteopathie für Kinder

Osteopathie für KinderEinige Osteopathen haben sich inzwischen auf die Behandlung von Kindern spezialisiert. Auf Beschwerden und die Bedürfnisse kleinster Säuglinge muss sehr speziell und sensibel eingegangen werden, so dass auf diesem Gebiet entsprechende Aus- und Fortbildungen notwendig sind, um Kinder osteopathisch behandeln zu können. Leider ist es in Deutschland noch nicht die Regel, bereits kleinste Säuglinge von Anfang an osteopathisch zu betreuen oder gar selbstverständlich, bei verschiedensten Beschwerden im Kindes- und Jugendalter einen Osteopathen hinzuzuziehen. Die wenigsten Kinderärzte weisen auf diese Möglichkeit hin, die Lösungen für viele Probleme darstellen kann. Kieferorthopäden jedoch sind auch hierzulande sehr aufgeschlossen gegenüber der Osteopathie und arbeiten mehr und mehr mit Osteopathen und Kraniosakraltherapeuten zusammen.

Osteopathie in Europa

In ihrem Mutterland, den USA, stellt die Osteopathie eine anerkannte Heilmethode dar, die Ausbildung findet an Universitäten statt und schließt mit einem Doktortitel ab. Auch in England ist die Osteopathie inzwischen als Universitätsstudium anerkannt, und das größte osteopathische Therapiezentrum Europas befindet sich in London. Insbesondere in Deutschland jedoch ist die Osteopathie weder offiziell anerkannt noch in ihrer Ausbildung einheitlich geregelt. Verschiedene Schulen bieten unterschiedlich strukturierten Unterricht an. In Deutschland wird die Osteopathie von verschiedenen Berufsgruppen aus dem gesundheitlichen Sektor erlernt und ausgeübt. So haben Patienten die Wahl, die osteopathische Behandlung bei einem Arzt oder Heilpraktiker wahrzunehmen. Noch ist die Osteopathie insbesondere in Deutschland eine mit kritischen Augen betrachtete Methode, was dazu führt, dass gesetzlich Versicherte meist aus eigener Kasse für die osteopathischen Behandlungen zahlen müssen.

Quellen:

  • Langer, Werner, Hebgen, Eric (Hrsg.), „Lehrbuch Osteopathie“, Haug Verlag
  • Jones, Lawrence H., „Strain-Counterstrain, osteopathische Behandlung der Tenderpoints“, Urban & Fischer
  • Salomon, Brigitte, Salomon, Walter, „Pferde-Osteopathie“, Sonntag Verlag
  • www.bso.ac.uk
  • www.osteopathie-schule.de

Diana Deuschle
Diana Deuschle
Heilpraktikerin aus Erding bei München

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